Chronische Kopfschmerzen

Kopfschmerzen kann man unterteilen in

  • sekundäre Kopfschmerzen, die als Folge einer anderen Grunderkrankung auftreten und

  • primäre Kopfschmerzen, die selbst als Krankheitsbild auftreten.

Zwei große Gruppen von primären Kopfschmerzen sind die Migräne und Spannungskopfschmerzen. Bei diesen beiden Arten von primären Kopfschmerzen gibt es etliche Befunde, wonach psychologische Behandlungsmethoden zu einer Verminderung der Symptome beitragen können. Behandlungsmethoden schließen Psychoedukation, Entspannungsverfahren, sowie kognitive und verhaltensorientierte Verfahren ein.

Die Unterscheidung unterschiedlicher Arten von primären Kopfschmerzen ist nicht immer leicht. Einzelne Faktoren können von Person zu Person unterschiedlich sein. Die folgende Tabelle dient jedoch als Orientierungshilfe:

MigräneSpannungskopfschmerzen
Schmerzintensitäthoch während eines Anfallsmittel bis niedrig
Übelkeit / Erbrechenhäufignein
Reizempfindlichkeitja (Lärm, Licht)nein
Aura (Sehstörung)häufignein
Schmerzbereichmeist einseitig, bei Kindern weniger stark ausgeprägtmeist in beiden Kopfhälften
Körperliche Aktivitätverstärkt den Schmerzkeine Verstärkung der Schmerzen
Dauer eines Anfalls2-72 Stunden, bei Kindern eher kürzer30 Minuten bis Dauerkopfschmerz
Schmerzqualitätpulsierend bzw. pochendÜberlastung von Kopf- und Nackenmuskulatur

Untersuchungen zu Folge leiden ca. 60% der an Migräne erkrankten Kinder auch im Erwachsenenalter noch an Migräne [bille_1981] . Da sich das Schmerzverhalten und auch das Schmerzgedächtnis immer mehr festigen, ist es durchaus sinnvoll bereits im Kindes­ und Jugendalter mit medizinischen, physiotherapeutischen und psychologischen Methoden der Chronifizierung der Schmerzen entgegenzuwirken bzw. eine bereits vorhandene Chronifizierung so früh wie möglich zu behandeln.

Entstehung und Aufrechterhaltung von Kopfschmerzen

Heutzutage geht man von einem bio­psycho­sozialen Modell aus. Das bedeutet, dass neben körperlichen Faktoren auch psychosoziale Faktoren eine Rolle bei der Entstehen und der Aufrechterhaltung von Kopfschmerzen spielen.

Psychosoziale Faktoren

Es gibt Befunde, dass Kinder, die unter Kopfschmerzen leiden hohe Ängstlichkeitswerte aufweisen. [maratos_1982]

Auch depressive Verstimmungen zeigten sich in Untersuchungen. [andrasik_1988]

Unbestritten ist, dass emotionale Stressreaktionen eine entscheidende Rolle spielen. So geben z.B. 30­% bis 40% von 2000 untersuchten Kindern Stress als dominanten Auslöser ihrer Kopfschmerzen an. [passchier_1985]

Auch die Familieninteraktion und operante Lernprozesse werden als wichtige aufrechterhaltende Faktoren diskutiert. Das Schmerzverhalten ist bei Kindern noch weniger ausgeprägt als bei Erwachsenen.

Weiterführende Literatur

Bücher

, , 2000, Kopfschmerz-Therapie mit Kindern und Jugendlichen, Hogrefe Verlag, 3-8017-1313-X.

Fachartikel

, , , , , , 1988, Psychological functioning of children who have recurrent migraine, Pain, 34, 43-52.

, 1981, Migraine in childhood and its prognosis, Cephalagia, 1, 71-75.

, , 1982, Migraine in children: A medical and psychiatric study, Cephalagia, 2, 179-187.

, , 1985, Headache and stress in school children: An epidemiological study, Cephalalgia, 5, 167-176.